5. Februar 2019

LVU zur DGB-Pressemitteilung zur Entwicklung der atypischen Beschäftigung

LVU-Hauptgeschäftsführer Werner Simon. Bild: LVU / Strussione

LVU-Hauptgeschäftsführer Werner Simon. Bild: LVU / Strussione

„Der DGB redet systematisch die Entwicklung am Arbeitsmarkt schlecht und zeichnet ein Zerrbild der Realität“, sagt LVU-Hauptgeschäftsführer Werner Simon. So kritisiere die Gewerkschaft den starken Anstieg der Teilzeitbeschäftigung. „Zur Erinnerung: Teilzeit ist politisch gewollt und von den Gewerkschaften gefordert. Viele Personen mit Familienarbeit wollen nur eine Teilzeitbeschäftigung. Gewerkschaften haben in den vergangenen Monaten Tarifverträge abgeschlossen für mehr Freizeit statt mehr Lohn, das heißt für Teilzeit.“

Genauso fehl gehe die Skandalisierung der Zeitarbeit. „Auch hier ein Blick auf die Fakten: In Rheinland-Pfalz sind lediglich 2,5 Prozent aller Beschäftigten Zeitarbeitnehmer. Zudem ist Zeitarbeit ein wichtiges Sprungbrett in Arbeit. Mehr als zwei Drittel aller Zeitarbeitnehmer waren zuvor arbeitslos“, so der Hauptgeschäftsführer.

„Zudem sollte dem DGB nicht entgangen sein, dass wir uns im zehnten Jahr eines Aufschwungs befinden“, erinnert Simon. Die Kapazitätsauslastung sei überdurchschnittlich. Das sei genau der Fall, in dem Zeitarbeit – auch aus Sicht der Gewerkschaften – eine wichtige Funktion zukommt. Sie diene dazu, konjunkturelle Spitzen abzufangen.

„Ins Komische gleitet die Begründung des DGB ab, wenn er auf die gesunkene Zahl ausschließlich geringfügig Beschäftigter verweist. Ihr Anteil ist also stark zurückgegangen, da parallel die Beschäftigung stark angestiegen ist. Das müsste für den DGB eigentlich ein Grund zum Feiern sein“, wundert sich LVU-Hauptgeschäftsführer Simon.

„Doch die Gewerkschaft muss den Arbeitsmarkt auf dem Weg in die Verelendung sehen, um ihre politischen Forderungen zu platzieren. Sie verlangt von der Politik, die Tarifbindung zu erhöhen. Das ist ein Armutszeugnis und untergräbt die Tarifautonomie. Die DGB-Mitgliedsgewerkschaften organisieren in Rheinland-Pfalz nur 15 Prozent der Arbeitnehmer. Doch selbst nach den Zahlen des DGB erhalten 57 Prozent der Arbeitnehmer Tariflöhne. Nicht Tarifflucht der Arbeitgeber ist das Problem, sondern die Schwäche der Gewerkschaften“, kritisiert Simon.

Außerdem gelte – für Arbeitnehmer wie für Arbeitgeber – auch die negative Koalitionsfreiheit. So wie sich kein Arbeitnehmer einer Gewerkschaft anschließen müsse, müsse sich kein Arbeitgeber einem Tarifvertrag unterwerfen. Tarifverträge müssten für beide Seiten attraktiv sein. „Dafür haben beide Tarifvertragsparteien die Verantwortung, aber ganz sicher nicht die Politik“, so Simon abschließend. Die Gewerkschaften sollten dieser Verantwortung in Tarifverhandlungen gerecht werden, statt die Erfolge am Arbeitsmarkt aus durchsichtigen Gründen schlecht zu reden.