Der rheinland-pfälzische Arbeitsmarkt im Jahr 2011 (Zusammenfassung)

• Arbeitslosigkeit konnte 2011 deutlich abgebaut werden – durchschnittlich waren 111.000 Frauen und
Männer ohne Job – 8.900 weniger als 2010
• Starke Nachfrage nach neuen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern- rheinland-pfälzische Betriebe meldeten rund 103.000 freie Arbeitsplätze
• Sozialversicherungspflichtige Beschäftigung erreichte höchsten Stand der letzten Jahrzehnte


Die Wirtschaft des Landes konnte im Jahre ihre Aktivitäten weiter steigern. Obwohl gesicherte BIP-Ergebnisse nur für das erste Halbjahr vorliegen, lassen alle Indikatoren erwarten, dass das Wirtschaftswachstum bis zum Jahresende ohne nennenswerte Einbrüche anhielt. Vor allem die Industrie – und hier insbesondere der Automobilbau mit seinen Zulieferer, der Maschinenbau und die Metallerzeugung und –bearbeitung – konnte ihre Umsätze im abgelaufenen Jahr erneut steigern.

Von dieser wirtschaftlichen Entwicklung gingen nachhaltige Impulse für den regionalen Arbeitsmarkt aus. Alle wichtigen Arbeitsmarktindikatoren zeigten an, dass die letzten Auswirkungen der internationalen Rezession 2008/2009 im zu Ende gegangenen Jahr überwunden werden konnten.

Die Arbeitslosigkeit unterschritt im gesamten Jahresverlauf 2011 das Vorjahresniveau recht deutlich. Jahresdurchschnittlich sank die Zahl der Arbeitslosen von rund 119.900 im Jahr 2010 auf 111.000 im Jahr 2011. Niedriger war die Arbeitslosigkeit zuletzt im Jahr 1992.

Die Arbeitslosenquote verringerte sich von 5,7 Prozent auf 5,3 Prozent. Nur für Bayern und Baden-Württemberg wurden noch niedrigere Quoten errechnet.

Die Wirtschaft meldete so viele Stellenangebote wie seit Jahren nicht mehr – rund 103.000 im gesamten Jahr 2011. Das waren gut 5.000 oder 5,1 Prozent mehr als ein Jahr zuvor. Vor allem die Kräftenachfrage des Verarbeitenden Gewerbes fiel deutlich stärker aus als ein Jahr zuvor.

Die Kräftenachfrage konnte, wenn sich auch in einzelnen Berufen Besetzungsschwierigkeiten andeuteten, noch immer in hohem Maße befriedigt werden. Das belegt die Zunahme der sozialversicherungspflichtigen Beschäftigung. Im Oktober 2011 – das ist der aktuellste Datenstand – waren in Rheinland-Pfalz rund 1,28 Millionen Arbeitnehmer sozialversicherungspflichtig beschäftigt, 27.700 oder 2,2 Prozent mehr als ein Jahr zuvor.

Sozialversicherungspflichtige Beschäftigung in Rheinland-Pfalz auf neuem Höchststand – „Beschäftigungsmotoren“ waren zuletzt das Verarbeitende Gewerbe, unternehmensnahe Dienstleister sowie das Gesundheits- und Sozialwesen

Die Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten, die nach der Krise bereits in den ersten Monaten des Jahres 2010 wieder zu wachsen begann, hat im Verlauf des Jahres 2011 weiter sehr stetig zugenommen. Zeitweise lag die Wachstumsrate deutlich über dem Bundesdurchschnitt.

Im Oktober 2011 – bis dahin liegen hochgerechnete Daten vor – waren in Rheinland-Pfalz knapp 1,28 Millionen Arbeitnehmer sozialversicherungspflichtig beschäftigt, 27.700 oder 2,2 Prozent mehr als ein Jahr zuvor.

Für mehr Beschäftigung sorgten in den vorangegangenen zwölf Monaten vor allem das Verarbeitende Gewerbe (plus 7.200 auf 313.700), das Gesundheits- und Sozialwesen (plus 4.000 auf 176.700), unternehmensnahe Dienstleister – ohne Zeitarbeit (plus 4.500 auf rund 99.000), die Zeitarbeitsbranche (plus 2.700 auf 32.300) und der Bereich Erziehung und Unterricht (plus 2.500 auf 50.300).

Das Verarbeitende Gewerbe hat insbesondere in der zweiten Jahreshälfte 2011 seine Belegschaftszahlen aufgestockt und hat nunmehr fast wieder den bisherigen Höchststand vom Herbst 2008 erreicht. Neue Jobs sind vor allem im Maschinenbau sowie in der Automobilindustrie und ihren Zulieferern entstanden.

Die Zeitarbeitsbranche, am stärksten von der Krise 2008/2009 betroffen, hat 2011 ihre Beschäftigtenzahlen weiter gesteigert, wenn auch die Zuwachsraten in der zweiten Jahreshälfte nachließen. Im Oktober 2011 beschäftigte die Branche 32.300 Arbeitnehmer, 2.700 oder 9,3 Prozent mehr als zwölf Monate zuvor. Der Anteil der Branche an allen Beschäftigten lag mit 2,5 Prozent niedriger als auf Bundesebene (2,9 Prozent).

Völlig unbeeindruckt vom konjunkturellen Auf und Ab nimmt die Beschäftigung im Bereich des Gesundheits- und Sozialwesens zu. Im Oktober 2011 waren in diesem Bereich in Rheinland-Pfalz bereits 176.700 Arbeitnehmer tätig, 4.000 oder 2,3 Prozent mehr als ein Jahr zuvor. Nahezu jede/jeder Siebte ist in diesem Bereich tätig.

Deutlich weniger Betriebe mussten 2011 auf Kurzarbeit ausweichen – in letzten zwölf Monaten waren in 680 Betrieben noch durchschnittlich 5.400 Arbeitnehmer von Kurzarbeit betroffen

Die Kurzarbeit, mit deren Hilfe im Frühjahr 2009 mehr als 50.000 Beschäftigungsverhältnisse im Lande gestützt wurden, hat im Jahresverlauf 2011 weiter an Bedeutung eingebüßt, ohne dass sie allerdings völlig in den Hintergrund getreten ist. Von Oktober 2010 bis September 2011 – bis dahin liegen Daten vor – mussten immerhin noch durchschnittlich 680 Betriebe mit rund 5.400 Arbeitnehmern temporärere Auftragslücken durch Kurzarbeit überbrücken.

Arbeitslosigkeit 2011:

Wirtschaftsaufschwung brachte spürbaren Abbau der Arbeitslosigkeit – 2011 waren durchschnittlich 111.000 Frauen und Männer arbeitslos, 8.900 weniger als im Vorjahr – Lage hat sich für jüngere und qualifizierte Arbeitslose deutlich verbessert – Aufschwung erreichte nun auch Arbeitslose in der Grundsicherung – starkes regionales Gefälle – Arbeitslosenquoten streuen von 3,0 bis zu 13,1 Prozent

Die Arbeitslosigkeit unterschritt in allen Monaten des Jahres 2011 das entsprechende Vorjahresniveau recht deutlich, wobei der Abstand am Jahresende größer als zum Jahresbeginn war. Durchschnittlich waren 2011 insgesamt 111.000 Frauen und Männer ohne Beschäftigung, gut 8.900 oder 7,4 Prozent weniger als ein Jahr zuvor. Weniger Arbeitslose wurden zuletzt im Jahr 1992 gezählt.

Die Arbeitslosenquote – berechnet auf der Basis aller zivilen Erwerbspersonen - verringerte sich von 5,7 Prozent im Jahr 2010 auf 5,3 Prozent im Jahr 2011. Nur in Baden-Württemberg und Bayern war die Arbeitslosigkeit noch niedriger.

Von dem bereits 2010 eingeleiteten Abbau der Arbeitslosigkeit haben in der ersten Jahreshälfte 2011 zunächst jüngere und gut qualifizierte Arbeitsuchende profitiert – Männer auch stärker als Frauen. Im Jahresverlauf erreichte die Entwicklung dann aber zunehmend auch Ältere, Geringqualifizierte und Langzeitarbeitslose.

Die Arbeitslosigkeit Jüngerer unter 25 Jahren ist im abgelaufenen Jahr von allen Altersgruppen am stärksten zurückgegangen. Ein wichtiger Grund bestand darin, dass die Jüngeren meist über gute und aktuelle berufliche Qualifikationen verfügten. Kennzeichnend war auch, dass 2011 sehr viel mehr Auszubildenden der Übergang von der Ausbildung in die Beschäftigung gelang – meist nahtlos, ansonsten mit nur kurzen Phasen von Sucharbeitslosigkeit verbunden.

Im Jahresdurchschnitt waren 2011 rund 12.000 junge Leute unter 25 Jahren arbeitslos, 2.000 oder 14,3 Prozent weniger als ein Jahr zuvor. Ihre altersspezifische Arbeitslosenquote lag mit 4,8 Prozent um 0,7 Prozentpunkte unter der des Vorjahres – und um 0,5 Prozentpunkte unter der Gesamtarbeitslosenquote.

Die Arbeitslosigkeit verringerte sich 2011 in nahezu allen Altersgruppen um etwa ein Zehntel, in den Altersgruppen zwischen 45 und 50 Jahren fielen die Veränderungen jedoch spürbar niedriger aus. In der Altersgruppe über 60 Jahren stiegen die Arbeitslosenzahlen sogar noch an.

Im Alter zwischen 50 und 65 Jahren waren 2011 durchschnittlich 34.100 Personen arbeitslos, knapp 300 oder 0,8 Prozent mehr als im Jahr zuvor. Sind Ältere arbeitslos, brauchen sie für den Wiedereinstieg in den Beruf meist erheblich mehr Zeit als andere Personengruppen. Dennoch konnten 2011 rund 22.000 Ältere die Arbeitslosigkeit durch Aufnahme einer Erwerbstätigkeit auch wieder beenden.

Von der wirtschaftlichen Erholung haben in den frühen Phasen vor allem Arbeitslose profitieren können, die nur kurze Zeit beschäftigungslos waren. Das erklärt auch den Rückgang der Arbeitslosigkeit im Bereich der Arbeitslosenversicherung (Arbeitslosengeld I). Hier nahm die Zahl der Arbeitslosen von 2010 auf 2011 um rund 5.800 oder 12,4 Prozent auf durchschnittlich 41.000 ab.

Im Bereich der Grundsicherung (Arbeitslosengeld II) verharrte die Arbeitslosigkeit in der ersten Jahreshälfte noch in etwa auf Vorjahresniveau, erst in der zweiten Hälfte des Jahres setzte auch hier ein spürbarer Rückgang ein. Jahresdurchschnittlich verringerte sich die Zahl der Arbeitslosen in der Grundsicherung um rund 3.100 oder 4,2 Prozent auf 70.100.

Auch 2011 gab es in der Arbeitslosigkeit an starkes regionales Gefälle. In den ländlichen Regionen sank die Arbeitslosigkeit nicht nur deutlicher als in den städtischen Ballungsräumen ab, ihr Niveau war auch in den ländlichen Gebieten deutlich niedriger als in den Städten. 2011 wurden für die Kreise Bitburg-Prüm (3,0 Prozent), Trier-Saarburg (3,3 Pro-zent), Bernkastel-Wittlich sowie der Rhein-Pfalz-Kreis (jeweils 3,5 Prozent) Arbeitslosenquoten errechnet, die schon fast Vollbeschäftigung signalisieren. In den Städten Ludwigshafen (9,5 Prozent), Kaiserslautern (10,4 Prozent) und Pirmasens (13,1 Prozent) lagen – trotz einiger Verbesserungen – die Arbeitslosenquoten noch immer deutlich über dem Landesdurchschnitt.

Unterbeschäftigung – verdeckte Arbeitslosigkeit – 2011 noch deutlicher als Arbeitslosigkeit gesunken – Ursache: weniger Teilnehmer in Fördermaßnahmen

Die Unterbeschäftigung – in deren Beobachtung neben den registrierten Arbeitslosen auch Teilnehmer an Fördermaßnahmen und aufgrund von gesetzlichen Regelungen nicht mehr statistisch erfasste Personen einbezogen werden – ist 2011 noch deutlicher als die registrierte Arbeitslosigkeit gesunken, und zwar im Jahresdurchschnitt um knapp 21.000 oder 11,8 Prozent auf 156.400. Der wichtigste Grund für diese Entwicklung: 2011 wurden weniger Arbeitslose gefördert. Dass trotzdem die Unterbeschäftigung reduzierte werden konnte, unterstreicht die gewachsene Aufnahmefähigkeit des regionalen Arbeitsmarktes.

Lebhafte Kräftenachfrage im Jahr 2011 – rheinland-pfälzische Betriebe meldeten mehr als 103.000 Stellenangebote – Zeitarbeitsbranche war stärkster Anbieter

Die Kräftenachfrage fiel fast im gesamten Jahresverlauf stärker als ein Jahr zuvor aus. Insgesamt meldeten rheinland-pfälzische Unternehmen den gemeinsamen Arbeitgeberteams von Arbeitsagenturen und Jobcentern über 103.000 freie Arbeitsstellen, 5.000 oder 5,1 Prozent mehr als im Vorjahr.

Stärkster Stellenanbieter war mit rund 31.000 Stellen die Zeitarbeitsbranche. Ihre Nachfrage erhöhte sich um 3.100 oder 11,0 Prozent.

Die stabile wirtschaftliche Aufwärtsentwicklung löste auch beim Verarbeitenden Gewerbe eine rege Kräftenachfrage aus. Dessen Betriebe meldeten insgesamt 9.800 Stellen – das waren 1.100 mehr als ein Jahr zuvor. Aufnahmefähig waren vor allem die chemische Industrie, die Metallerzeugung und der Maschinenbau.

Wegen der lebhaften Nachfrage einerseits und des gesunkenen Angebots an qualifizierten Arbeitskräften andererseits ergaben sich im Jahresverlauf in einigen Berufen bereits erste Engpässe. Macht man die Einschätzung an zwei Indikatoren – nämlich der Stellen-/Bewerber-Relation und der durchschnittlichen Vakanzzeit – fest, zeichneten sich Engpässe in Metallberufen (Dreher, Fräser, Rohrinstallateure), in Gesundheits- und Pflegeberufen (Ärzte, Pflegefachkräfte) sowie in technischen Berufen (Maschinen- und Fahrzeugbauingenieure, Elektroingenieure) ab.

Ausblick auf das Arbeitsmarktgeschehen im Jahr 2012

Die Einschätzung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung im Laufe des Jahres 2012 ist mit großen Unsicherheiten behaftet. Schwächelnde Weltkonjunktur, Staatsschuldenkrise und Verunsicherung der Finanzmärkte stärken nicht unbedingt das Vertrauen in die Stabilität der Entwicklung. Andererseits gehen viele Unternehmen mit einigem Optimismus ins neue Jahr und auch die günstige Ausgangslage zum Jahreswechsel 2011/2012 wird noch eine ganze Zeit nachwirken, so dass Brüche in der Entwicklung eher die Ausnahme sein werden.   Das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) hat vor einiger Zeit Projektionen zur Arbeitsmarktentwicklung vorgelegt. Sollte 2012 bundesweit ein Wirtschaftswachstum von 1,0 Prozent erreicht werden, dann könnte die sozialversicherungspflichtige Beschäftigung in Rheinland-Pfalz im kommenden Jahr noch einmal geringfügig zunehmen. Im Jahresmittel um cirka 10.000 auf 1,26 Millionen steigen. Die Zahl der Arbeitslosen würde sich nach diesen Projektionen 2012 im Jahresdurchschnitt etwa auf dem Niveau des Jahres


(Quelle: Bundesagentur für Arbeit, Regionaldirektion Rheinland-Pfalz-Saarland)