14. August 2020

Bildungssystem - INSM Bildungsmonitor 2020

Rheinland-Pfalz hat sich im Vergleich zum Jahr 2019 verschlechtert und rangiert im INSM-Bildungsmonitor 2020 auf Platz 10 der 16 Bundesländer. Die Vergleichsstudie des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) im Auftrag der Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft (INSM) bewertet anhand von insgesamt 93 Indikatoren in 12 Handlungsfeldern, inwieweit ein Bundesland Bildungsarmut reduziert, zur Fachkräftesicherung beiträgt und Wachstum fördert.

Rheinland-Pfalz schneidet in den meisten der 12 Handlungsfelder durchschnittlich ab. Stärken bestehen bei der Ausgabenpriorisierung, bei der Internationalisierung (jeweils 5. Platz) und bei der beruflichen Bildung (6. Platz). 

  • Die Relation der Bildungsausgaben pro Teilnehmer zu den Gesamtausgaben der öffentlichen Haushalte pro Einwohner fallt vor allem bei den Grundschulen und bei den beruflichen Vollzeitschulen überdurchschnittlich aus.
  • Alle Grundschüler in Rheinland-Pfalz wurden im Jahr 2018 in Fremdsprachen unterrichtet (Bundesdurchschnitt 63%)
  • Der Anteil erfolgreicher Absolventen an allen Abgängern von Berufsfachschulen, Fachoberschulen und Fachschulen fallt in Rheinland-Pfalz mit 94,1% deutlich überdurchschnittlich aus (Bundesdurchschnitt: 80,1 Prozent).

Der größte Verbesserungsbedarf im Vergleich zu den anderen Ländern ist im Bereich der Forschungsorientierung (15.Platz) festzustellen. Ebenfalls Verbesserungsbedarf besteht bei den Förderbedingungen und bei der Integration (beide 13. Platz).

  • Die Hochschulen in Rheinland-Pfalz sind im nationalen Vergleich eher forschungsschwach. Das Volumen der eingeworbenen Drittmittel war im Jahr 2017 gemessen an der Anzahl der Professoren das drittniedrigste von allen Bundesländern. Bei der Promotionsquote belegt Rheinland-Pfalz mit 4% den letzten Platz aller Bundesländer.
  • Während  Rheinland-Pfalz bei dem Anteil der Grundschüler mit einer Ganztagsbetreuung überdurchschnittlich abschneidet (Rheinland Pfalz: 47,3 Prozent; Bundesdurchschnitt: 42 Prozent), hat es bei den Ganztagsangeboten der Sekundarstufe I im Jahr 2018 mit 23,9 Prozent den zweitschlechtesten Wert aller Bundesländer auf (Durchschnitt: 46,3 Prozent)
  • Die Studienberechtigungsquoten von ausländischen Jugendlichen an allgemeinbildenden Schulen und an beruflichen Schulen fielen dagegen schlechter aus als im bundesdeutschen Durchschnitt. Die entsprechenden Werte betragen in Rheinland-Pfalz 8,6 bzw. 5,9 Prozent und im bundesdeutschen Durchschnitt 9,2 bzw. 6,9 Prozent

Insgesamt gibt es in allen Handlungsfeldern der Studie seit 2013 eine Stagnation der Ergebnisse. Der Bildungsmonitor 2020 zeigt erneut, dass in den Handlungsfeldern Digitalisierung, Integration, Chancengerechtigkeit, Bildungsarmut und Schulqualität die größten Verschlechterungen festzustellen sind. Diese Probleme haben sich durch die Corona-Krise noch verschärft. Die Steigerung der Teilhabechancen und der Durchlässigkeit des Bildungssystems, die zügige Umsetzung des Digitalpaktes und die Verbesserung der ökonomischen Bildung sind die drängendsten Aufgaben der Bildungspolitik in den kommenden Jahren.

Forderungen für eine gute Bildung und Chancengerechtigkeit für alle in Deutschland:

  • Digitalisierung vorantreiben
  • massive Defizite besonders bei der digitalen Ausstattung abbauen;
  • eine leistungsstarke und verlässliche technische Infrastruktur an den Schulen, dazu gehört die Einstellung von mindestens 20.000 IT-Administratoren in Deutschland an Schulen.

Bund und Länder sollten sich hierauf schnellstmöglich verständigen. Die Kosten belaufen sich nach IW-Angaben auf rund zwei Milliarden Euro pro Jahr. Die Mittel aus dem Konjunkturpaket sind ein erster Schritt, müssten aber dauerhaft aufgestockt werden.
Eine verpflichtende Weiterbildung für Lehrkräfte in digitaler Didaktik. Die Lehrer müssen schnellstmöglich nachgeschult werden. Für den Lehrkräfte-Nachwuchs sollte dies selbstverständlicher Bestandteil der Ausbildung sein. Die Aus- und Weiterbildungsverordnungen für Lehrkräfte sollten entsprechend reformiert werden.

Im Anhang finden Sie den Bildungsmonitor 2020.