Diözesan-Unternehmertag 2012

Gastgeber und Referenten des 3. Unternehmertages (v.l.n.r.): LVU-Geschäftsführer Dr. Dirk Hannowsky, BKU-Kurpfalz-Vorsitzender Rainer Kininger, der Speyrer Bischof Dr. Karl-Heinz Wiesemann, Prof. Dr. Dr. Andreas Barner, Sprecher der Unternehmensleitung Bo

Gastgeber und Referenten des 3. Unternehmertages (v.l.n.r.): LVU-Geschäftsführer Dr. Dirk Hannowsky, BKU-Kurpfalz-Vorsitzender Rainer Kininger, der Speyrer Bischof Dr. Karl-Heinz Wiesemann, Prof. Dr. Dr. Andreas Barner, Sprecher der Unternehmensleitung Bo

„Verantwortung zwischen Gewinn und Gemeinwohl“

Unternehmer und Kirchenvertreter tauschen sich aus – dieser Gedanke steht hinter dem Diözesan-Unternehmertag, der 2012 zum dritten Mal stattfand. Thema des Veranstaltung war „Unternehmerverantwortung: zwischen Gewinn und Gemeinwohl“.

Ende November fand der 3. Unternehmertag der Diözese Speyer statt mit über 80 Teilnehmern statt. Eingeladen zu der Veranstaltung mit dem Thema „Unternehmerverantwortung: zwischen Gewinn und Gemeinwohl“ hatten neben der Diözese Speyer die LVU, der Bund der Katholischen Unternehmer (BKU) und das Heinrich Pesch Haus, in dem die Tagung stattfand. Nach der Begrüßung durch den BKU-Vorsitzenden Rainer Kininger und den HPH-Referenten für Wirtschafts- und Sozialethik, Gangolf Schüßler SJ, ergriff der Speyrer Bischof Dr. Karl-Heinz Wiesemann das Wort. In seinem Grußwort stellte er fest: „Es ist nicht die Frage, ob Gewinn legitim ist, sondern mit welchen Mitteln das Gewinnziel verfolgt wird.“

Anschließend referierte Erzbischof Dr. Robert Zollitsch zur Frage „Gewinn und Gemeinwohl – zwei Seiten derselben Medaille?“. Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz sagte: „Wer ethische Werte aus den Augen verliert, dessen Rechnung stimmt vielleicht. Damit geht sie aber noch lange nicht auf.“ Die Rechnung gehe dann auf, wenn der Mensch im Mittelpunkte stehe. „Und zwar in zwei Dimensionen: der Mensch als Individuum und als soziales Wesen“. Der Freiburger Oberhirte betonte in seinem Vortrag die Bedeutung eines „tragenden Wertefundamentes“ als Grundlage für den einzelnen Unternehmer und den Markt als Ganzes. Gleichzeitig hob er die positive Rolle hervor, die Markt, Wirtschaft und Wettbewerb spielen könnten. Voraussetzung dafür sei indes die entsprechende Ausgestaltung. „Wirtschaft an sich ist weder gut oder schlecht“, so Zollitsch. Als Menschenwerk sei sie vielmehr gestaltbar und damit dem moralischen Wollen unterworfen.

Anschließend ging Professor Andreas Barner der Frage nach, ob Gewinn und Gemeinwohl ein unauflösbarer Widerspruch seien. Die Antwort lieferte der Sprecher der Unternehmensleitung von Boehringer Ingelheim gleich zu Beginn: „Sind sie nicht!“. Intensiv setzte sich Barner mit dem theoretischen Modell des Homo oeconomicus auseinander. Dieses impliziere ein negatives Menschenbild, da es ausschließlich die Eigennutzenmaximierung des Einzelnen in den Blick nehme. Erfolgreiches unternehmerisches Handeln dagegen setze gerade nicht auf den Homo oeconomicus. „Langfristig erfolgreiche Unternehmen haben den Anderen immer im Blick“, so Barner. Orientierung am Gewinn bei gleichzeitiger Orientierung an Mitarbeitern, Produkten und Dienstleistungen sowie Ressourcen und Umwelt sei daher kein Widerspruch. Problematisch indes sei das Wirtschaften in der globalisierten Welt. Notwendig sei dabei, dass Standards und Normen weltweit gelten. Andernfalls könnten sich Unternehmen durch geeignete Standortwahl Wettbewerbsvorteile auf Kosten von Mitarbeitern oder der Umwelt erkaufen. In der anschließenden Podiumsdiskussion ging es vor allem um Fragen der Vergütung und guter Unternehmenskultur.