19. Dezember 2019

Niedrigste Schülerzahl seit 28 Jahren

Zu Beginn des aktuellen Schuljahres besuchten rund 407.000 Kinder und Jugendliche eine der etwa 1.500 allgemeinbildenden Schulen in Rheinland-Pfalz. Wie das Statistische Landesamt in Bad Ems mitteilt, war das seit dem Schuljahr 1991/92 die niedrigste Schülerzahl. Gegenüber dem Vorjahr sank sie um 1.100 bzw. 0,3 Prozent.

Der Rückgang ist im Wesentlichen an öffentlichen Schulen wahrzunehmen. Während die Schülerzahl an Schulen in freier Trägerschaft zwischen 2009/10 und 2019/20 um drei Prozent stieg, nahm sie an den öffentlichen Schulen um 13 Prozent ab. Neben der steigenden Attraktivität des Besuchs einer privaten Schule ist dies auch auf das wachsende regionale Angebot privater und kirchlicher Bildungsinstitutionen zurückzuführen. Seit 2009/10 wuchs ihre Zahl um 10,4 Prozent (+10 Schulen). Im gleichen Zeitraum sank die Zahl der öffentlichen Schulen um 7,2 Prozent (-108 Schulen).

Integration von Kindern und Jugendlichen mit Migrationshintergrund
Im Herbst 2019 hatten rund 89.300 Schülerinnen und Schüler einen Migrationshintergrund. Das waren etwa 4,7 Prozent mehr als im vergangenen Schuljahr. Damit stieg der Anteil der Kinder und Jugendlichen mit Migrationshintergrund von 21 auf 22 Prozent. Zehn Jahre zuvor lag ihr Anteil bei 13 Prozent.

Im rheinland-pfälzischen Schulsystem bestehen nach wie vor Unterschiede in der Integration von Heranwachsenden mit Migrationshintergrund. So hatten Schülerinnen und Schüler mit Migrationshintergrund im Vergleich zu Kindern und Jugendlichen ohne Migrationshintergrund eine höhere Wahrscheinlichkeit eine Klassenstufe zu wiederholen (4,0 zu 1,6 %), einen sonderpädagogischen Förderbedarf im Bereich Lernen diagnostiziert zu bekommen (4,2 zu 2,9 %) und die Schule ohne Berufsreife zu verlassen (13,8 zu 6,2 Prozent). Demgegenüber besuchten sie seltener eine private Schule (2,4 zu 10,3 %), wechselten weniger häufig nach der Grundschule auf ein Gymnasium (26 zu 43 %) und schlossen die allgemeinbildende Schule vergleichsweise selten mit der Hochschulreife ab (17 zu 41 %).

Inklusion von Schülerinnen und Schülern mit sonderpädagogischem Förderbedarf
Zu Schuljahresbeginn 2019/20 besuchten 21.600 Kinder und Jugendliche mit einem sonderpädagogischen Förderbedarf eine rheinland-pfälzische Schule. Am häufigsten wurden die Heranwachsenden sonderpädagogisch gefördert, die im schulischen Lernen und Lernverhalten Unterstützung benötigen (60 %). Die Eltern von Schülerinnen und Schülern mit einem sonderpädagogischen Förderbedarf können entscheiden, ob ihre Kinder statt einer Förderschule eine Regelschule besuchen. Die Inklusion förderbedürftiger Kinder und Jugendlicher wird insbesondere an Schwerpunktschulen ermöglicht, an denen Förderlehrkräfte und pädagogische Fachkräfte den allgemeinbildenden Unterricht begleiten. Rund 29 Prozent der förderbedürftigen Schülerinnen und Schüler gingen 2019/20 auf eine Regelschule. Zehn Jahre zuvor waren es nur 15 Prozent.

Mehr Schulabgängerinnen und -abgänger ohne Abschluss
Neben 36.700 Absolventinnen und Absolventen mit einem allgemeinbildenden Schulabschluss verließen 2019 etwa 3.000 Schülerinnen und Schüler die Schule ohne Berufsreife. Das waren 7,5 Prozent der Schulentlassenen. Der 2008 auf dem Dresdner Bildungsgipfel zwischen Bund und Ländern vereinbarte Beschluss, die Quote der Abgängerinnen und Abgänger ohne allgemeinbildenden Schulabschluss von acht auf vier Prozent zu halbieren, wurde somit erneut nicht erreicht. Vielmehr stieg die Abgängerquote gegenüber dem Vorjahr um 0,6 Prozentpunkte. Die Zunahme ist unter anderem auf Wohnortwechsel und sprachliche Förderbedürfnisse von Schutz- und Asylsuchenden sowie auf das ergänzende schulische Angebot der berufsbildenden Schulen zurückzuführen. Beispielsweise führt das Berufsvorbereitungsjahr (BVJ) im Rahmen eines berufsfeldorientierten Vollzeitunterrichts auch zur Berufsreife.

 

(Quelle: Statistisches Landesamt Rheinland-Pfalz)