29. März 2019

Jahreswirtschaftsbericht Rheinland-Pfalz 2018

„Die rheinland-pfälzische Wirtschaft ist 2018 trotz schwierigerer Rahmenbedingungen robust gewachsen", ist das gemeinsame Resümee von Wirtschaftsminister Volker Wissing und Marcel Hürter, Präsident des Statistischen Landesamtes, anlässlich der Pressekonferenz zur Vorstellung des neuen Jahreswirtschaftsberichts.

Das Bruttoinlandsprodukt nahm nach vorläufigen Berechnungen des Arbeitskreises Volkswirtschaftliche Gesamtrechnungen der Länder preisbereinigt um 1,7 Prozent zu (Deutschland: +1,4 %). „Im Vergleich der Bundesländer liegt Rheinland-Pfalz – gemeinsam mit Hamburg – auf dem fünften Platz", erläuterte Hürter das Ergebnis. In jeweiligen Preisen belief sich das Bruttoinlandsprodukt auf 149 Milliarden Euro (+5,4 Mrd Euro bzw. +3,8 %). In Rheinland-Pfalz wurden 2018 folglich 4,4 Prozent des deutschen Bruttoinlandsprodukts erwirtschaftet.

Kräftiger Wachstumsbeitrag der Dienstleistungsbereiche
Alle wichtigen Wirtschaftsbereiche haben 2018 zum Wachstum beigetragen. Den mit Abstand größten Beitrag leisteten die Dienstleistungsbereiche; die Wertschöpfung stieg hier um 1,4 Prozent (D: +1,6 %). Aufgrund ihres hohen Anteils an der gesamtwirtschaftlichen Wertschöpfung (64 %; D: 68 %) trugen die Dienstleistungsbereiche etwa die Hälfte (0,86 PP) zum gesamten Wirtschaftswachstum bei.

Der kleinste Dienstleistungsbereich „Handel, Verkehr, Gastgewerbe, Information und Kommunikation" (Anteil an der gesamten Bruttowertschöpfung: 19 %) erwirtschaftete mit plus 2,6 Prozent den größten Zuwachs (D: +2,4 %). Der Teilsektor „Finanz-, Versicherungs- und Unternehmensdienstleister, Grundstücks- und Wohnungswesen" (Anteil: 21 %) verzeichnete den geringsten Anstieg (+0,5 %; D: +1,3 %). Im größten Teilsektor „Öffentliche und sonstige Dienstleister, Erziehung, Gesundheit" (Anteil: 24 %) stieg die Bruttowertschöpfung um 1,2 Prozent (D: ebenfalls +1,2 %).

Industrie wächst um 1,5 Prozent
Die Bruttowertschöpfung des Verarbeitenden Gewerbes verbesserte sich um 1,5 Prozent. Da in diesem Bereich 26 Prozent der gesamten Wirtschaftsleistung erstellt werden, lag der Beitrag zum gesamtwirtschaftlichen Wachstum bei knapp 0,4 Prozentpunkten.

Anhand der Umsätze zeigt sich, dass die günstige Entwicklung in der Industrie vor allem auf das Auslandsgeschäft zurückzuführen ist. Der Gesamtumsatz im Verarbeitenden Gewerbe sowie im Bergbau und der Gewinnung von Steinen und Erden stieg 2018 um 6,9 Prozent. Während sich die Inlandsumsätze um 2,8 Prozent (D: +1,8 %) erhöhten, stiegen die Erlöse im Ausland sogar um zehn Prozent (D: +2,9 %). Damit nahm die Exportquote weiter zu; die rheinland-pfälzische Industrie weist mit 57,6 Prozent unter den Flächenländern die höchste Exportquote auf. „Die Daten verdeutlichen, dass die rheinland-pfälzischen Industrieunternehmen weiterhin auf den Export setzen. Angesichts des weltwirtschaftlichen Umfelds – Brexit, zunehmende Handelskonflikte, schwächeres Wachstum in China, in der EU und in der Eurozone – birgt die Exportorientierung zwar Risiken, zeigt aber auch die hohe internationale Wettbewerbsfähigkeit der heimischen Industrie", sagte Wirtschaftsminister Wissing.

Die größten Wachstumsimpulse kamen aus der Konsumgüterindustrie. Die Erlöse der Konsumgüterhersteller stiegen 2018 um 23 Prozent. Den wesentlichen Beitrag dazu leistete die Pharmabranche, deren Umsätze um 78 Prozent über dem Niveau des Vorjahres lagen. Aber auch die Investitionsgüterhersteller konnten Umsatzsteigerungen realisieren (+4,6 %). Das geringste Wachstum verzeichneten die Vorleistungsgüterproduzenten mit plus 2,8 Prozent, was unter anderem auf die verhaltene Entwicklung der Chemieindustrie zurückzuführen ist, deren Erlöse nur um 1,2 Prozent zulegten.

Baugewerbe: Hochkonjunktur hält an
Noch besser als in der Industrie lief es 2018 im Baugewerbe. Preisbereinigt erhöhte sich die Wirtschaftsleistung hier um 5,9 Prozent (D: +3 %). Da das Baugewerbe aber nur einen Anteil von 5,9 Prozent an der gesamten Wertschöpfung hat (D: 5,3 %), ist sein Beitrag zum Wirtschaftswachstum mit 0,31 Prozentpunkten trotz des starken Zuwachses kleiner als der Beitrag der Industrie.

Von den beiden Teilbereichen des Baugewerbes ist das Bauhauptgewerbe kräftig gewachsen. Hier übertraf der Umsatz 2018 das bisherige Rekordergebnis von 2017 um zwölf Prozent (D: +11 %). Alle Bereiche des Bauhauptgewerbes erzielten zweistellige Zuwachsraten. Die Erlöse stiegen im Hochbau um knapp 13 und im Tiefbau um knapp zwölf Prozent.

Die Ergebnisse der Konjunkturerhebung im Ausbaugewerbe für 2018 sind aufgrund einer methodischen Änderung nur eingeschränkt mit den Vorjahreswerten vergleichbar. Die Zahlen deuten auf eine weiterhin positive Entwicklung des Ausbaugewerbes.

Landwirtschaft
Im Jahr 2018 ist auch der Sektor „Land- und Forstwirtschaft, Fischerei" kräftig gewachsen. Die Bruttowertschöpfung stieg in diesem Bereich um knapp 19 Prozent (D: -1,6 %). Dadurch erbrachte der primäre Sektor, trotz des sehr kleinen Anteils an der gesamten Wirtschaftsleistung (1,5 %; D: 0,8 %), einen nennenswerten Beitrag zum Wachstum der rheinland-pfälzischen Wirtschaft. Er fiel mit 0,26 Prozentpunkten fast so hoch aus wie der Beitrag des Baugewerbes. Ein wesentlicher Grund für dieses sehr gute Ergebnis war die außergewöhnlich ertragreiche Weinernte 2018.

Außenhandel: Exporte steigen das neunte Jahr in Folge
Der längerfristige Trend steigender Exporte blieb 2018 ungebrochen. Der Wert der aus Rheinland-Pfalz ausgeführten Waren nahm das neunte Jahr in Folge zu. Das Wachstum hat sich 2018 weiter beschleunigt. Der Wert der Ausfuhren stieg kräftig um 9,3 Prozent; dies war der größte Zuwachs seit 2011 (D: +3 %). Die außergewöhnlich starke Zunahme der Ausfuhren 2018 ist im Wesentlichen auf die Steigerung der Konsumgüterexporte zurückzuführen, die um 36 Prozent zulegten. Der Grund für diesen Anstieg ist die kräftige Zunahme der Ausfuhr „Pharmazeutischer Spezialitäten" (insbesondere Medikamente), die sich um 72 Prozent erhöhte. In geringerem Umfang als die Konsumgüter trugen auch die Investitionsgüter zum Anstieg der Ausfuhren bei. Ihr Exportwert stieg um 2,1 Prozent. Die Ausfuhr von Vorleistungsgütern war hingegen leicht rückläufig (-0,6 %).

Preise
Die Verbraucherpreise lagen 2018 im Jahresdurchschnitt um 1,7 Prozent über dem Vorjahresniveau (D: +1,8 %). Die jährliche Preisentwicklung blieb damit seit 2013 durchgängig unter dem Zielwert der Europäischen Zentralbank für den Euroraum (unter, aber nahe 2 %). Den Höchststand erreichte die Teuerungsrate mit plus 2,5 Prozent im Oktober. Die niedrigste Preissteigerung wurde im Februar registriert (+0,9 %).

Die Preisentwicklung bei den Energieprodukten (+4,4 %) hatte auch 2018 einen merklichen Einfluss auf die Teuerungsrate. Der Energiebereich trug 0,46 Prozentpunkte zur Gesamtteuerung bei. Vor allem die Preise für Heizöl und Kraftstoffe zogen kräftig an (+19 % bzw. +8 %). Die höchste Teuerungsrate gab es in der Hauptgruppe „Verkehr" (+3,4 %).
Die als Kerninflationsrate bezeichnete Veränderung des „Gesamtindex ohne Nahrungsmittel und Energie" lag im Jahresdurchschnitt 2018 bei plus 1,3 Prozent (D: +1,4 %).

Arbeitsmarkt: Aufwärtstrend setzt sich fort
Die gute wirtschaftliche Entwicklung hat dazu beigetragen, dass sich der Aufwärtstrend am Arbeitsmarkt auch im Jahr 2018 weiter fortgesetzt hat. Die Zahl der Erwerbstätigen erreichte in Rheinland-Pfalz ebenso wie die Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten einen neuen Höchstwert. Dagegen fiel die Arbeitslosenquote auf den niedrigsten Stand seit 1992.

Im Vergleich zum Vorjahr ist die Zahl der Erwerbstätigen um 18 800 auf einen neuen Rekordwert von 2,04 Millionen gestiegen (+0,9 %; D: +1,3 %). Einen starken Anstieg verzeichnete die sozialversicherungspflichtige Beschäftigung (+1,6 %; D: +2,2 Prozent). Auch die geringfügige Beschäftigung nahm weiter zu (+0,7 %; D: +0,9 %). Die Zahl der Selbstständigen fiel dagegen erstmals seit 2003 wieder unter die Marke von 200.000 Personen (-2,2 %; D: -1,7 %).

Die Zahl der Arbeitslosen verringerte sich um 7.500 auf jahresdurchschnittlich 98 800 Personen (-7,1 %; D: -7,6 %). Das ist der niedrigste Stand seit 1992. Die Arbeitslosenquote sank um 0,4 Prozentpunkte auf 4,4 Prozent. Sie lag damit deutlich unter dem Bundesdurchschnitt (5,2 %). Im Ländervergleich weisen bereits seit 2003 nur Bayern und Baden-Württemberg eine niedrigere Arbeitslosenquote auf.

Die Zahl der offenen Stellen, die die Nachfrageseite des Arbeitsmarktes beschreiben, ist weiter gestiegen. Bei der Bundesagentur für Arbeit waren 40.500 offene Stellen gemeldet, was einen Zuwachs um 6,7 Prozent gegenüber dem Vorjahr bedeutet.

Diese und weitere Ergebnisse finden Sie in der Veröffentlichung „Die Wirtschaft in Rheinland-Pfalz 2018", die hier heruntergeladen werden kann.

 

(Quelle: Statistisches Landesamt Rheinland-Pfalz)