Anmeldezahlen 2026/2027: Weiterführende Schulen zwischen steigender Nachfrage und begrenzten Kapazitäten

Der Übergang von der Grundschule auf eine weiterführende Schule ist für Kinder und ihre Familien eine wichtige Weichenstellung. Die aktuellen Anmeldezahlen für das Schuljahr 2026/2027 zeigen dabei deutliche Entwicklungen in der rheinland-pfälzischen Schullandschaft: Während Gymnasien erneut mehr Anmeldungen verzeichnen und insbesondere die Realschulen plus deutlich zulegen, liegen die Zahlen der Integrierten Gesamtschulen (IGS) etwas unter dem Niveau des Vorjahres. Gleichzeitig zeigt sich an zahlreichen Standorten, dass die Nachfrage die vorhandenen Aufnahmekapazitäten übersteigt.

Fast 40.000 Anmeldungen für die Klassenstufe 5

Für das Schuljahr 2026/2027 sind nach Auskunft der Aufsichts- und Dienstleistungsdirektion für die Klassenstufe 5 insgesamt 17.538 Schülerinnen und Schüler an Gymnasien, 15.844 an Realschulen plus und 6.168 an Integrierten Gesamtschulen angemeldet. Damit entfallen auf diese drei Schularten zusammen 39.550 Anmeldungen.

Für die Förderschulen liegt zum Zeitpunkt der Erhebung noch keine entsprechende Zahl für 2026/2027 vor. Hintergrund ist, dass die Verfahren zur Feststellung des sonderpädagogischen Förderbedarfs noch nicht vollständig abgeschlossen sind.

Ein Blick auf die beiden vorausgegangenen Schuljahre macht die Entwicklung besonders deutlich. Im Schuljahr 2024/2025 wechselten 16.452 Kinder auf ein Gymnasium, 13.071 auf eine Realschule plus, 6.248 auf eine IGS und 279 auf eine Förderschule. Im Schuljahr 2025/2026 waren es 17.211 Schülerinnen und Schüler an Gymnasien, 13.605 an Realschulen plus, 6.337 an Integrierten Gesamtschulen und 314 an Förderschulen.

Realschulen plus mit besonders starkem Zuwachs

Besonders auffällig ist die Entwicklung bei den Realschulen plus. Die Anmeldezahlen steigen für 2026/2027 gegenüber dem Vorjahr von 13.605 auf 15.844 – ein Plus von 2.239 Schülerinnen und Schülern beziehungsweise rund 16,5 Prozent. Gegenüber 2024/2025 beträgt der Zuwachs sogar 2.773 Anmeldungen beziehungsweise rund 21 Prozent.

Auch die Gymnasien setzen ihren Aufwärtstrend fort. Nach 16.452 Übergängen im Schuljahr 2024/2025 und 17.211 im Schuljahr 2025/2026 liegen für 2026/2027 nun 17.538 Anmeldungen vor. Gegenüber dem Vorjahr entspricht dies einem Plus von 327 Schülerinnen und Schülern; im Vergleich zu 2024/2025 sind es 1.086 mehr.

Anders stellt sich die Entwicklung bei den Integrierten Gesamtschulen dar. Hier waren 2024/2025 insgesamt 6.248 Übergänge registriert worden, ein Jahr später 6.337. Für 2026/2027 liegen 6.168 Anmeldungen vor. Das sind 169 weniger als im Vorjahr und auch etwas weniger als 2024/2025.

Die Zahlen machen damit deutlich, dass sich die Entwicklung je nach Schulart unterscheidet. Vor allem der starke Anstieg bei den Realschulen plus sticht hervor.

Nicht jeder Wunschschulplatz kann angeboten werden

Neben der Gesamtentwicklung ist die Situation an einzelnen Schulen von besonderem Interesse. An einer Reihe von Standorten übersteigt die Zahl der Anmeldungen die vorhandenen Aufnahmekapazitäten. Das bedeutet allerdings nicht, dass die betroffenen Kinder generell keinen Platz an der jeweiligen Schulart erhalten. Vielmehr geht es darum, dass sie nicht an der konkret gewünschten Schule aufgenommen werden konnten.

Bei den Gymnasien werden für 22 Schulen insgesamt 386 nicht aufgenommene Schülerinnen und Schüler ausgewiesen. Besonders hohe Zahlen finden sich unter anderem am Käthe-Kollwitz-Gymnasium in Neustadt an der Weinstraße mit 50, am Gymnasium Nackenheim mit 43, am Karolinen-Gymnasium Frankenthal mit 36, am Eichendorff-Gymnasium Koblenz mit 33 und am Peter-Wust-Gymnasium Wittlich mit 32 nicht aufgenommenen Kindern.

Weitere betroffene Standorte sind beispielsweise das Lina-Hilger-Gymnasium Bad Kreuznach und das Are-Gymnasium Grafschaft mit jeweils 20 sowie das Bertha-von-Suttner-Gymnasium Andernach mit 19 nicht aufgenommenen Schülerinnen und Schülern. Auch mehrere Koblenzer Gymnasien erscheinen in der Übersicht, darunter das Gymnasium auf dem Asterstein und das Gymnasium auf der Karthause mit jeweils 14 sowie das Görres-Gymnasium und das Hilda-Gymnasium.

Auch Realschulen plus stoßen lokal an ihre Grenzen

Bei den Realschulen plus weist die Übersicht 17 Schulen aus, an denen insgesamt 525 angemeldete Schülerinnen und Schüler nicht aufgenommen werden konnten.

Besonders deutlich ist die Situation an der Realschule plus Anne-Frank in Ludwigshafen: Dort werden 145 nicht aufgenommene Kinder ausgewiesen. An der Realschule plus Heinrich-Roth in Montabaur sind es 79, an der Realschule plus Westend in Worms 68 und an der Realschule plus Pfrimmtal in Worms 60. Die Realschule plus Am Ebertpark in Ludwigshafen weist 40 nicht aufgenommene Schülerinnen und Schüler aus.

Damit wird zugleich sichtbar, dass Kapazitätsengpässe regional gehäuft auftreten können. Allein in Ludwigshafen sind mehrere Realschulen plus betroffen, darunter neben der Anne-Frank-Schule und der Schule Am Ebertpark auch die Albert-Einstein-Schule, die Ernst-Reuter-Schule und die Adolf-Diesterweg-Schule.

Für Realschulen plus und Gymnasien gilt grundsätzlich: Schülerinnen und Schüler haben in Rheinland-Pfalz einen Rechtsanspruch auf einen Schulplatz an einer Realschule plus beziehungsweise an einem Gymnasium. Wenn eine einzelne Schule aufgrund begrenzter räumlicher Kapazitäten nicht alle angemeldeten Kinder aufnehmen kann, erfolgt deshalb eine sogenannte Schülerlenkung zwischen den Schulen der jeweiligen Schulart in der Region.

Ein abgelehnter Platz an der Wunschschule bedeutet bei diesen Schularten somit nicht, dass das Kind keinen Platz an einem Gymnasium beziehungsweise einer Realschule plus erhält. Vielmehr soll über die regionale Verteilung ein entsprechender Schulplatz sichergestellt werden.

Stellt sich heraus, dass in einer Region dauerhaft ein schulisches Bedürfnis für einen zusätzlichen Standort besteht, besteht zudem grundsätzlich die Möglichkeit, eine neue Realschule plus oder ein neues Gymnasium zu errichten.

Besonders viele nicht aufgenommene Kinder an Integrierten Gesamtschulen

Ein anderes Bild ergibt sich bei den Integrierten Gesamtschulen. In der Übersicht werden 52 IGS-Standorte aufgeführt, an denen zusammen 3.703 Schülerinnen und Schüler nicht aufgenommen werden konnten. Damit ist die Zahl erheblich höher als bei Gymnasien und Realschulen plus.

An mehreren IGS-Standorten liegt die Zahl der nicht aufgenommenen Kinder sogar im dreistelligen Bereich. Besonders hoch ist sie an der IGS Ludwigshafen-Gartenstadt mit 180 Schülerinnen und Schülern. Es folgen die IGS Neuwied mit 170, die IGS Mainz-Bretzenheim mit 158, die IGS Worms mit 148, die IGS Frankenthal mit 146 und die IGS Oppenheim mit 144.

Weitere hohe Werte werden unter anderem für die IGS Plaidt mit 136, die IGS Wörrstadt mit 135, die IGS Ingelheim mit 134, die IGS Edigheim mit 133, die IGS Mutterstadt mit 131, die IGS Selters mit 130 und die IGS Bad Kreuznach mit 127 ausgewiesen. An der IGS Nieder-Olm sind es 122 und an der IGS Anna Seghers Mainz 115 nicht aufgenommene Schülerinnen und Schüler. Auch die IGS Trier weist mit 106 und die IGS Osthofen mit 101 dreistellige Zahlen auf.

Diese Zahlen zeigen, dass an zahlreichen Integrierten Gesamtschulen eine deutlich größere Nachfrage besteht, als die jeweiligen Schulen aufnehmen können.

Warum gelten für die IGS besondere Aufnahmebedingungen?

Die Aufnahme an Integrierten Gesamtschulen unterscheidet sich strukturell von der Situation an Gymnasien und Realschulen plus. Integrierte Gesamtschulen sind aus pädagogischen und organisatorischen Gründen hinsichtlich ihrer Zahl an Klassen und damit ihrer Aufnahmekapazität begrenzt.

Zudem soll bei der Zusammensetzung der Schülerschaft eine ausgewogene Leistungsverteilung gewährleistet werden. Deshalb gibt es ein geregeltes Aufnahmeverfahren mit drei Leistungsgruppen. Übersteigen die Anmeldungen die verfügbaren Plätze innerhalb einer dieser Leistungsgruppen, wird ein Losverfahren durchgeführt.

Kinder, die dabei keinen Platz erhalten, können anschließend im Rahmen eines Nachrückverfahrens an einer benachbarten Integrierten Gesamtschule aufgenommen werden, sofern dort in der jeweiligen Leistungsgruppe noch Kapazitäten vorhanden sind. Darüber hinaus besteht die Möglichkeit einer Anmeldung an einer Realschule plus oder einem Gymnasium. Aus diesem Grund endet das Aufnahmeverfahren an diesen beiden Schularten auch zu einem späteren Zeitpunkt als an den Integrierten Gesamtschulen.

Hohe Ablehnungszahlen führen nicht automatisch zu einer neuen IGS

Bemerkenswert ist auch, dass eine hohe Zahl nicht aufgenommener Schülerinnen und Schüler an einer IGS für sich genommen noch nicht ausreicht, um daraus einen Bedarf für die Errichtung einer weiteren Integrierten Gesamtschule abzuleiten.

Für eine neue IGS müssen weitere Voraussetzungen erfüllt sein. Ein entsprechendes schulisches Bedürfnis besteht demnach nur, wenn eine angemessene Leistungsverteilung in allen drei Leistungsgruppen erwartet werden kann und gleichzeitig bestehende Schulen anderer Schularten durch die Neugründung nicht in ihrem Bestand gefährdet werden. Hinzu kommt, dass eine neue Integrierte Gesamtschule nur auf Antrag eines Schulträgers errichtet werden kann.

Insgesamt mehr als 4.600 nicht realisierte Wünsche nach einer konkreten Schule

Addiert man die in den Übersichten genannten Fälle, konnten an den dort aufgeführten Gymnasien, Realschulen plus und Integrierten Gesamtschulen insgesamt 4.614 angemeldete Schülerinnen und Schüler nicht an der jeweils gewünschten Schule aufgenommen werden. Davon entfallen 386 auf Gymnasien, 525 auf Realschulen plus und 3.703 auf Integrierte Gesamtschulen.

Diese Gesamtzahl muss allerdings richtig eingeordnet werden: Sie ist nicht gleichbedeutend mit 4.614 Kindern ohne Schulplatz. Die Angaben beziehen sich auf die Nichtaufnahme an der jeweils gewünschten Schule aufgrund überschrittener Aufnahmekapazitäten. Für Gymnasien und Realschulen plus greift bei Bedarf die regionale Schülerlenkung. Bei den Integrierten Gesamtschulen bestehen Nachrückmöglichkeiten sowie die Möglichkeit, sich anschließend an einer Realschule plus oder einem Gymnasium anzumelden.

Die Zahlen zeigen dennoch sehr deutlich, wo die Nachfrage besonders hoch ist und an welchen Standorten die vorhandenen Kapazitäten nicht ausreichen, um allen Erstwünschen der Familien entsprechen zu können.

Was die Zahlen für die weitere Schulentwicklung bedeuten

Für die Schulentwicklungsplanung liefern die Anmeldezahlen wichtige Hinweise. Einerseits steigt die Nachfrage nach Gymnasien weiter. Noch stärker fällt aktuell der Zuwachs bei den Realschulen plus aus. Andererseits zeigen die hohen Zahlen nicht aufgenommener Schülerinnen und Schüler an zahlreichen Integrierten Gesamtschulen, dass diese Schulart an vielen Standorten stark nachgefragt wird – obwohl die landesweite Gesamtzahl der IGS-Anmeldungen gegenüber dem Vorjahr leicht zurückgegangen ist.

Gerade diese Kombination ist wichtig: Eine landesweit weitgehend stabile beziehungsweise zuletzt leicht rückläufige Anmeldezahl schließt erhebliche lokale Kapazitätsengpässe nicht aus. Entscheidend ist deshalb neben der landesweiten Entwicklung immer auch die konkrete regionale Situation.

Für Eltern wiederum ist wichtig zu wissen, dass eine Nichtaufnahme an der bevorzugten Schule nicht automatisch bedeutet, dass kein Platz an einer geeigneten weiterführenden Schule zur Verfügung steht. Je nach Schulart greifen unterschiedliche Verfahren zur Verteilung, zum Nachrücken oder zur anschließenden Anmeldung an einer anderen Schule.

Die Anmeldezahlen für 2026/2027 verdeutlichen damit zweierlei: Rheinland-Pfalz verfügt über ein differenziertes System weiterführender Schulen, zugleich bleibt die Aufgabe bestehen, die vorhandenen Kapazitäten möglichst gut mit den regionalen Schulwahlentscheidungen der Familien in Einklang zu bringen.

Quelle: Grundlage dieses Beitrags ist die Antwort des Ministeriums für Bildung Rheinland-Pfalz vom 15. Juli 2026 auf die Kleine Anfrage der Abgeordneten Katharina Binz (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) „Anmeldezahlen an weiterführenden Schulen zum Schuljahr 2026/2027 in Rheinland-Pfalz“, Landtag Rheinland-Pfalz, 19. Wahlperiode, Drucksache 19/333 zu Drucksache 19/203. Die Vergleichszahlen für 2024/2025 und 2025/2026 stammen laut Dokument aus der Amtlichen Schulstatistik des Statistischen Landesamtes Rheinland-Pfalz; die Angaben zu den Anmeldungen 2026/2027 sowie zu nicht aufgenommenen Schülerinnen und Schülern beruhen auf Angaben der Aufsichts- und Dienstleistungsdirektion.