PISA 2025: Basiskompetenzen stärken, Zukunftschancen sichern

Die Ergebnisse der PISA-Studie 2025 der OECD sind ein erneutes Warnsignal für das deutsche Bildungssystem. Die Kompetenzen der 15-Jährigen haben sich gegenüber der bereits schwachen Erhebung von 2022 nochmals verschlechtert. In Mathematik erreichen die Jugendlichen im Durchschnitt 464 Punkte, elf Punkte weniger als 2022. Beim Lesen sinkt der Wert um 15 Punkte auf 465. In den Naturwissenschaften werden 486 Punkte erreicht; der Rückgang um sechs Punkte ist statistisch nicht signifikant. Damit liegen die Leistungen in allen drei Bereichen auf dem niedrigsten Niveau seit Beginn der PISA-Erhebungen.

Besonders problematisch ist die wachsende Gruppe von Jugendlichen, die nicht über ausreichende Basiskompetenzen verfügt. In Mathematik erreichen 34 Prozent der 15-Jährigen nicht einmal die Kompetenzstufe 2, beim Lesen sind es 32 Prozent und in den Naturwissenschaften 27 Prozent. Gegenüber 2015 ist der Anteil der leistungsschwachen Jugendlichen in Mathematik um 17 Prozentpunkte, beim Lesen um 15 und in den Naturwissenschaften um zehn Prozentpunkte gestiegen.

Für Wirtschaft und Ausbildungsbetriebe ist diese Entwicklung besonders relevant. Lesen, Rechnen, naturwissenschaftliches Verständnis und die Fähigkeit, Wissen auf neue Fragestellungen anzuwenden, sind zentrale Voraussetzungen für einen erfolgreichen Übergang in Ausbildung und Beruf. Wenn rund ein Drittel der Jugendlichen die Mindestanforderungen beim Lesen oder in Mathematik nicht erreicht, ist dies deshalb nicht nur ein schulpolitisches Problem, sondern zunehmend auch ein Problem für die Fachkräftesicherung.

Bildungserfolg hängt weiterhin stark von der Herkunft ab

Besorgniserregend ist zudem die Entwicklung bei der Bildungsgerechtigkeit. In den Naturwissenschaften liegen zwischen dem sozioökonomisch stärksten und schwächsten Viertel der Schülerinnen und Schüler in Deutschland inzwischen 125 PISA-Punkte. Im OECD-Durchschnitt beträgt der Abstand lediglich 85 Punkte. Während sich diese Lücke international seit 2015 verkleinert hat, ist sie in Deutschland größer geworden.

Auch zwischen den Schularten bestehen erhebliche Unterschiede. In Mathematik verfehlen sechs Prozent der Jugendlichen an Gymnasien das Mindestniveau, an nicht gymnasialen Schularten sind es 47 Prozent. Beim Lesen stehen fünf Prozent an Gymnasien 43 Prozent an den übrigen Schularten gegenüber. Gerade mit Blick auf den Übergang in die duale Ausbildung sind diese Zahlen alarmierend.

Gleichzeitig zeigen die Ergebnisse auch Potenziale: 77 Prozent der Jugendlichen in Deutschland beschreiben sich als neugierig und 64 Prozent geben an, sich bei schwierigen Aufgaben besonders anzustrengen. Allerdings hält inzwischen ein Drittel der Jugendlichen Schule für Zeitverschwendung – deutlich mehr als im OECD-Durchschnitt.

Eine kompakte Zusammenfassung der zentralen Befunde bietet das Deutsche Schulportal mit den zehn wichtigsten Ergebnissen der PISA-Studie 2025.

Rheinland-Pfalz: Stärken bei beruflicher Bildung, aber erheblicher Handlungsbedarf

Die bundesweiten PISA-Ergebnisse treffen auf ein rheinland-pfälzisches Bildungssystem, das auch im Vergleich der Bundesländer vor Herausforderungen steht. Der INSM-Bildungsmonitor 2025 für Rheinland-Pfalz, der die Bildungssysteme der Länder anhand von 98 Indikatoren in 13 Handlungsfeldern vergleicht, sieht Rheinland-Pfalz mit 42,1 Punkten auf Rang 12 von 16 Bundesländern.

Dabei zeigt sich ein differenziertes Bild. Eine Stärke von Rheinland-Pfalz ist die berufliche Bildung. Hier erreicht das Land bundesweit Platz 5. Bei den erfolgreichen Absolventinnen und Absolventen beruflicher Vollzeitschulen erzielt Rheinland-Pfalz besonders gute Ergebnisse. Auch bei der Internationalisierung gehört das Land mit Rang 3 zur Spitzengruppe.

Für die Wirtschaft ist die gute Position bei der beruflichen Bildung erfreulich. Gleichzeitig zeigt sich auch hier Handlungsbedarf: 2024 standen in Rheinland-Pfalz rechnerisch für 65,5 Prozent der Bevölkerung im entsprechenden Alter betriebliche Ausbildungsstellen zur Verfügung. Im Bundesdurchschnitt waren es 67,1 Prozent.

Deutlich schwächer schneidet Rheinland-Pfalz in einigen Bereichen ab, die für die künftige Wettbewerbsfähigkeit des Landes besonders relevant sind. Bei der Digitalisierung liegt Rheinland-Pfalz auf Platz 14, bei der Inputeffizienz auf Platz 15 und bei der Forschungsorientierung auf Platz 16. Im Handlungsfeld Hochschule/MINT erreicht das Land Rang 10.

Gerade bei Digitalisierung und IT-Fachkräften wird der Nachholbedarf konkret: Auf 100.000 Erwerbstätige kommen in Rheinland-Pfalz 38,8 neue betriebliche Ausbildungsverträge im IT-Bereich; bundesweit sind es 46,3. Bei den IT-Hochschulabsolventinnen und -absolventen erreicht Rheinland-Pfalz 58,6 je 100.000 Erwerbstätige gegenüber 80,3 im Bundesdurchschnitt. Der Bildungsmonitor sieht zudem Verbesserungsbedarf bei der WLAN-Ausstattung und beim Informatikunterricht an den Schulen.

Auch bei der Schulqualität besteht Luft nach oben. Rheinland-Pfalz erreicht hier Platz 7, bei der Bildungsarmut Platz 9. In Verbindung mit den bundesweit weiter sinkenden PISA-Kompetenzen unterstreicht dies die Notwendigkeit, die Vermittlung grundlegender Kompetenzen konsequent in den Mittelpunkt zu stellen.

PISA und Bildungsmonitor messen dabei Unterschiedliches: PISA liefert den internationalen Kompetenzvergleich für Deutschland, während der Bildungsmonitor anhand einer Vielzahl von Indikatoren eine Einordnung der Bildungssysteme der einzelnen Bundesländer ermöglicht. Zusammengenommen zeichnen beide Studien ein Bild, das politischen Handlungsbedarf erkennen lässt.

Bildungsministerium sieht „klaren Weckruf“

Auch das rheinland-pfälzische Bildungsministerium erkennt Handlungsbedarf. Bildungsministerin Dr. Ute Eiling-Hütig bezeichnet die PISA-Ergebnisse als „klaren Weckruf“. Besonders die Entwicklung bei der Chancengleichheit nach sozialer Herkunft bewertet sie als alarmierend. Bereits eingeleitete Maßnahmen sollen nach Angaben des Ministeriums ausgeweitet und beschleunigt werden.

Zu den genannten Schwerpunkten gehören eine stärkere frühkindliche Bildung, frühere Sprachstandserhebungen und zusätzliche Sprachförderung. Darüber hinaus sollen Naturwissenschaften und Informatik gestärkt werden.

Gerade mit Blick auf die Ergebnisse des Bildungsmonitors ist letzteres von besonderer Bedeutung. Wenn Rheinland-Pfalz bei der Digitalisierung lediglich Rang 14 und bei Hochschule/MINT Rang 10 erreicht, müssen digitale und MINT-Kompetenzen entlang der gesamten Bildungskette stärker in den Blick genommen werden.

Positiv ist, dass damit zentrale Problemfelder adressiert werden. Entscheidend ist nun jedoch, ob die Maßnahmen zu messbaren Verbesserungen bei den Kompetenzen der Schülerinnen und Schüler führen. Bildungspolitik sollte sich nicht allein daran messen lassen, wie viele Programme aufgelegt oder zusätzliche Mittel eingesetzt werden, sondern daran, welche Ergebnisse damit erzielt werden.

Basiskompetenzen müssen Priorität haben

Aus Sicht der Wirtschaft sollte die Sicherung der Basiskompetenzen im Zentrum stehen. Jeder junge Mensch muss die Schule mit ausreichenden Kompetenzen im Lesen, Schreiben und Rechnen verlassen. Dazu gehören verbindliche und frühzeitige Sprachstandserhebungen bereits vor der Einschulung sowie eine konsequente Förderung bei festgestellten Defiziten.

Lernstände sollten anschließend über die gesamte Schullaufbahn systematisch erfasst und für die individuelle Förderung und Unterrichtsentwicklung genutzt werden. Ziel muss es sein, Defizite nicht erst am Übergang von der Schule in Ausbildung oder Studium festzustellen, sondern frühzeitig gegenzusteuern.

Gleichzeitig müssen Mathematik, Naturwissenschaften und Informatik gestärkt werden. Gerade für ein industriell geprägtes Land wie Rheinland-Pfalz sind MINT-Kompetenzen eine zentrale Voraussetzung für Innovation, Transformation und Fachkräftesicherung. Die Ankündigung des Bildungsministeriums, Naturwissenschaften und Informatik auszubauen, weist deshalb in die richtige Richtung.

Rheinland-Pfalz kann dabei auf einer Stärke aufbauen: der beruflichen Bildung. Die guten Ergebnisse des Bildungsmonitors zeigen, dass hier leistungsfähige Strukturen vorhanden sind. Umso wichtiger ist es, die Übergänge von der Schule in die Ausbildung weiter zu verbessern. Berufsorientierung und ökonomische Bildung sollten frühzeitig und verbindlich in den Schulen verankert werden.

Digitalisierung: Entscheidend ist die Qualität der Nutzung

PISA liefert zudem wichtige Hinweise zur Digitalisierung. Jugendliche in Deutschland nutzen digitale Geräte an Schultagen durchschnittlich 1,7 Stunden zum Lernen. Gleichzeitig berichtet rund ein Drittel, dass Mitschülerinnen und Mitschüler in den meisten oder allen Naturwissenschaftsstunden durch digitale Geräte abgelenkt werden.

Das Bildungsministerium sieht sich deshalb in seinem Vorhaben bestätigt, die private Handynutzung während der Schulzeit einzuschränken. Eine solche Regelung kann Ablenkungen reduzieren. Sie ersetzt jedoch keine Strategie für digitale Bildung. Denn zugleich nutzt bereits rund die Hälfte der 15-Jährigen mindestens wöchentlich KI-Chatbots zum Lernen.

Für Rheinland-Pfalz kommt hinzu, dass der Bildungsmonitor gerade bei der Digitalisierung strukturelle Defizite feststellt. Schulen müssen daher zweierlei leisten: Ablenkungen durch private Gerätenutzung begrenzen und gleichzeitig vermitteln, wie digitale Werkzeuge und Künstliche Intelligenz sinnvoll, kritisch und produktiv eingesetzt werden.

Bildungsqualität ist Standortpolitik

PISA 2025 und der Bildungsmonitor 2025 betrachten Bildung aus unterschiedlichen Perspektiven, weisen aber in dieselbe Richtung: Die Qualität des Bildungssystems muss wieder stärker in den Mittelpunkt rücken.

Für Rheinland-Pfalz bedeutet dies, vorhandene Stärken – insbesondere in der beruflichen Bildung – auszubauen und gleichzeitig Defizite bei Basiskompetenzen, Digitalisierung, MINT und Forschungsorientierung konsequent anzugehen.

Dabei sollte ein Grundsatz gelten: Nicht die Zahl neuer Programme ist entscheidend, sondern deren nachweisbare Wirkung auf die Kompetenzen und Bildungschancen der Schülerinnen und Schüler.

Gerade angesichts von Fachkräftemangel, Digitalisierung und demografischem Wandel kann es sich der Wirtschaftsstandort Rheinland-Pfalz nicht leisten, Bildungspotenziale ungenutzt zu lassen. Gute Bildungspolitik ist deshalb immer auch Standortpolitik.

Quellen und weiterführende Informationen