INSM-Bildungsmonitor 2026: Bildungsarmut wird zur zentralen Herausforderung
Am 14. September ist der INSM-Bildungsmonitor 2026 erschienen. Das Institut der deutschen Wirtschaft (IW) untersucht darin im Auftrag der Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft die Entwicklung des Bildungssystems und vergleicht die Bundesländer in 13 Handlungsfeldern – von Förderinfrastruktur und Schulqualität über berufliche Bildung bis zur Digitalisierung. Der Monitor wird bereits zum 23. Mal vorgelegt.
Der Befund fällt gemischt aus. Seit 2013 hat sich Deutschland insbesondere bei Internationalisierung, Förderinfrastruktur und Betreuungsbedingungen verbessert. Gleichzeitig zeigen sich deutliche Rückschritte gerade bei den schulischen Ergebnissen: Der Bildungsmonitor verzeichnet Verschlechterungen bei Integration und Bildungschancen, Bildungsarmut und vor allem bei der Schulqualität. Die durchschnittlichen Kompetenzen in Mathematik, Naturwissenschaften und Lesen sind gesunken.
Berufliche Bildung gewinnt weiter an Bedeutung
Besondere Aufmerksamkeit richtet der Bildungsmonitor auf den Bildungsstand und die Bildungsmobilität. Hier zeichnet sich eine Polarisierung ab: Der Anteil der 25- bis 64-Jährigen mit Hochschulabschluss stieg zwischen 2005 und 2024 von 15,4 auf 25,6 Prozent. Gleichzeitig nahm der Anteil der Menschen ohne berufsqualifizierenden Abschluss nach einem zwischenzeitlichen Rückgang wieder zu und erreichte 2024 20,4 Prozent. Die Mitte verliert damit relativ an Gewicht.
Gerade die berufliche Bildung bleibt jedoch von zentraler Bedeutung. Der demografische Wandel dürfte die Engpässe bei beruflich qualifizierten Fachkräften weiter verschärfen. Für Menschen mit abgeschlossener Berufsausbildung verbessern sich damit die Arbeitsmarktperspektiven relativ. Der Bildungsmonitor empfiehlt deshalb, Berufsorientierung und den Zugang zu Berufsabschlüssen weiter zu stärken.
Auch die Durchlässigkeit des Bildungssystems entwickelt sich in zwei Richtungen: Ein wachsender Anteil junger Menschen erreicht einen höheren Bildungsabschluss als die Eltern. Zugleich wächst aber auch die Gruppe, die hinter dem Bildungsabschluss der Eltern zurückbleibt. Der soziale Hintergrund beeinflusst die Bildungschancen weiterhin erheblich – von der frühkindlichen Förderung über den Schulerfolg bis zur Entscheidung über den weiteren Bildungsweg.
Bildungsarmut als Schlüsselproblem
Damit rückt die Bildungsarmut in den Mittelpunkt. Zu viele Kinder und Jugendliche erreichen Mindeststandards oder Bildungsabschlüsse nicht. Das ist nicht nur ein individuelles Problem: Angesichts des demografischen Wandels gehen dadurch dringend benötigte Fachkräftepotenziale verloren. Der Bildungsmonitor sieht deshalb insbesondere in einer frühen, gezielten Förderung und in zusätzlichen Maßnahmen an Schulen wichtige Ansatzpunkte.
Dabei reicht es nicht, lediglich mehr Geld bereitzustellen. Ressourcen sollten gezielt dort eingesetzt werden, wo die sozialen Herausforderungen besonders groß sind. Der Bericht verweist unter anderem auf das Startchancen-Programm und empfiehlt eine sozialindexbasierte Mittelverteilung sowie eine regelmäßige Evaluation entsprechender Maßnahmen.
Rheinland-Pfalz: Ergebnisse genau in den Blick nehmen
Für Rheinland-Pfalz stellt sich damit insbesondere die Frage, wie gut das Land bei Schulqualität, Bildungsarmut, Integration und beruflicher Bildung aufgestellt ist. Diese Bereiche gewinnen angesichts des Fachkräftebedarfs und der wachsenden Bedeutung von Basiskompetenzen zusätzlich an Gewicht. Zugleich sollte der Blick nicht allein auf die Platzierung im Länderranking gerichtet werden: Entscheidend ist, in welchen Handlungsfeldern Rheinland-Pfalz Fortschritte erzielt und wo sich im längerfristigen Vergleich Handlungsbedarf verfestigt.
Für die rheinland-pfälzische Bildungspolitik sind dabei insbesondere drei Fragen relevant: Erreichen Förderangebote tatsächlich Kinder mit hohen Unterstützungsbedarfen? Werden Lernstände systematisch genutzt, um Unterricht und Förderung weiterzuentwickeln? Und gelingt es, berufliche Bildung als attraktive und durchlässige Bildungsoption zu stärken? Der Bildungsmonitor macht deutlich, dass gerade die Verbindung von früher Förderung, schulischer Qualität und erfolgreichem Übergang in Ausbildung entscheidend für Bildungs- und Teilhabechancen ist.
Bundesbildungsministerin Prien kündigt Bund-Länder-Ergebnisse für Dezember an
Bundesbildungsministerin Karin Prien hob bei der Vorstellung des Bildungsmonitors insbesondere die Bedeutung einer datengestützten Unterrichts-, Schul- und Systementwicklung hervor. Gute Lösungen müssten im föderalen Bildungssystem stärker übertragen werden. Ergebnisse der laufenden Beratungen von Bund und Ländern kündigte sie für Dezember 2026 an.
Im Mittelpunkt steht dabei nicht allein das Erreichen von Mindeststandards. Auch Regel- und Optimalstandards und damit die Förderung leistungsstärkerer Schülerinnen und Schüler sollen stärker in den Blick kommen. Ganztag, frühkindliche Sprach- und Entwicklungsdiagnostik sowie eine bessere Zusammenarbeit innerhalb der Kollegien können dazu beitragen, Förderung gezielter zu gestalten.
Der Bildungsmonitor 2026 verbindet die Qualitätsfrage stärker denn je mit der Fachkräftesicherung. Der Ausbau von Betreuung und Infrastruktur allein genügt nicht. Entscheidend ist, ob es gelingt, Bildungsarmut zu reduzieren, Basiskompetenzen zu sichern, soziale Herkunft weniger entscheidend für den Bildungserfolg werden zu lassen und berufliche wie akademische Bildungswege gleichermaßen zu stärken. Für Rheinland-Pfalz bietet der Bericht damit einen wichtigen Anlass, die eigenen Stärken und Schwächen entlang dieser Ziele zu überprüfen.