Mehr Flexibilität und Anreize statt Denkverbote in der Teilzeit-Debatte

Zur aktuellen Debatte um den Rechtsanspruch auf Teilzeit sagt Karsten Tacke, Hauptgeschäftsführer der Landesvereinigung Unternehmerverbände Rheinland-Pfalz (LVU):

„Deutschland leidet unter einem massiven Fachkräftemangel und einer anhaltenden wirtschaftlichen Schwäche. Wenn wir wieder auf einen Wachstumspfad kommen wollen, brauchen wir mehr Produktivität – und dafür ein höheres tatsächliches Arbeitsvolumen. Gleichzeitig ist klar: Teilzeit hat für viele Beschäftigte sehr gute Gründe, etwa Kindererziehung, Pflege oder gesundheitliche Aspekte. Diese Lebensrealitäten müssen respektiert werden. 

Zugleich dürfen wir in der Debatte keine Denkverbote haben. Der gesetzliche Rechtsanspruch auf Teilzeit schränkt die Planbarkeit in den Betrieben zunehmend ein – auch deshalb, weil Teilzeit in der Praxis in Anspruch genommen wird, ohne dass familiäre, gesundheitliche oder vergleichbare Gründe vorliegen. Hier kann und sollte angesetzt werden, um eine bessere Balance zwischen den Interessen der Beschäftigten und den Erfordernissen der Betriebe zu erreichen. 

Entscheidend ist dabei vor allem, dass sich Arbeit wieder lohnt. Hohe Abgaben und Sozialbeiträge sorgen aktuell dafür, dass zusätzliche Arbeitsstunden für viele Beschäftigte finanziell kaum attraktiv sind. Damit wieder mehr Netto vom Brutto bei den Beschäftigten ankommt, sind Reformen unausweichlich. Ziel darf nicht sein, Teilzeit zu verbieten, sondern die richtigen Anreize zu setzen: mehr Flexibilität, weniger Bürokratie, verlässliche Rahmenbedingungen für Familie und Beruf sowie ein Abgabensystem, das Leistung belohnt. Nur so können wir dem Fachkräftemangel wirksam begegnen und die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit nachhaltig stärken.“